In den verbleibenden neun Jahren bis 2030 will die EU kräftig beim Klimaschutz zulegen. 2030 sollen mindestens 55 Prozent weniger
Treibhausgase ausgestoßen werden als 1990. Der Ausstoß muss also noch einmal um 30 Prozent reduziert werden. Immer wieder wird
hier mehr Ehrgeiz gefordert, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 und auch die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.
Alle Mitgliedstaaten der EU haben sich dazu bekannt, dass die Emissionen „netto“ um mindestens 55 Prozent sinken. Welche
Maßnahmen auf diesem Weg umgesetzt und welche Wege bestritten werden müssen, wird oft diskutiert, ist viel gefächert und
sorgt für heftige Diskussionen. Sollte es gelingen, durch das Pflanzen von Bäumen oder andere Instrumente Kohlendioxid aus der
Luft zu binden, wäre dies ein wichtiger Milestone auf einem hoffentlich erfolgreichen Weg in eine überlebensfähige
Gesellschaft. Allerdings braucht es gesamtgesellschaftliche Diskussionen über die richtigen Wege zu diesem Ziel, denn bei allem darf
auch die Wirtschaft der Länder nicht überfordert werden. Immer wieder geht bei dieser Diskussion der Blick hin zu unseren
Mobilitätskonzepten und neuen Konzepten der Energiegewinnung und -speicherung, um durch einen intelligenten Energietransfer
möglichst viele „grüne“ Antriebstechnologien zum Einsatz zu bringen und die CO2 Emissionen zu minimieren.
Eine Technologie ist dabei immer wieder in unterschiedlichsten Kontexten in aller Munde: es ist das Thema Wasserstoff, dessen Gewinnung
aus grüner Energie und dessen Speicherung, die momentan noch zu teuer in der Produktion ist. Immer mehr Unternehmen allerdings setzen
auf diese Energie, wie jüngst auch die Firma Bosch, die die stationäre Brennstoffzelle mit einem Wirkungsgrad von mehr als 85
Prozent mit der Festoxidbrennstoffzelle ab 2024 in Serie produzieren will. Es handelt sich dabei um stationäre Brennstoffzellen, die
den Großteil der zugeführten Energie nutzen können und die in der Umwandlung wenig Energieverluste aufweisen. Ziel ist es,
solche Anlagen zu erstellen und damit eine Energieversorgung ohne Stickoxid oder CO2 Emissionen nachhaltig sicherzustellen.
Eine Berufliche Schule im gewerblich technischen Bereich muss diese neue Technologie mit in das Denken und Handeln junger Menschen so
integrieren, dass diese bei angestrebten Lösungen in Industrie und Handwerk mitgedacht und nach Lösungen ringend später nach
der Ausbildung in den Firmen vor Ort auch sinnvoll integriert werden kann. Es geht darum, kreatives Problemlösen zu fördern,
Kompetenzen auf- und Ängste abzubauen, Verständnis zu erwirken und das Thema Energie holistisch in der zukünftigen
Generation, aber auch in der Schulöffentlichkeit und deren Umfeld sichtbar zu machen und vernetzt in allen Wirkungsgraden,
Arbeitsebenen und Berufsfeldern darzustellen.
Inhaltliche Begründung „Das Thema Wasserstoff in der Gewerblichen Schule Backnang“
Unser Anspruch in der Bildung:
„Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor, sie beginnt im
Klassenzimmer“, sagte Lee Iacocca. Diesem Leitspruch hat sich das Technische Berufliche Bildungszentrum in Backnang mit all seinen
Ausbildungsschwerpunkten verpflichtet. Hier wird versucht in allen Ausbildungsbereichen zukunftsorientiert Themen so zu integrieren, dass
Jugendliche Zukunft erleben und in vorhandenen Laborsituationen ertesten und basale Knowhows erwerben können. Vor Jahren hat sich die
Schulgemeinschaft dem Thema Industrie 4.0 angenommen und aus eigener Kraft einen Industrie 4.0 Showroom aufgebaut, der nun auch weiterhin
mit Hilfe des Schulträgers in Richtung „Augmented Reality“ und autonomen Fertigungsstrategien als
„Leuchtturmprojekt“ im Rems-Murr-Kreis ausgebaut wird.
Das Thema Brennstoffzelle und Wasserstoff an unserer Schule:
Gemeinsam mit der Stadt Waiblingen beteiligt sich der Landkreis am „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und
Brennstoffzellentechnologie“ (NIP) des Bundes mit einem innovativen Konzept im Rahmen eines „HyPerformer-Projektes“
für grünen Wasserstoff, der im ÖPNV genutzt werden soll. Implementiert sind zwei weitere Bausteine: Untersuchungen zu einer
wasserstoffbetriebenen Wieslauftalbahn sowie eine Lernwerkstatt „Zukunftstechnologie Wasserstoff“ an der Gewerblichen Schule
Backnang. Zukunftsvisionen sind entwickelt und erste Projektskizzen zur Verortung dieses Themas in den schulischen Werkstätten aber
auch zur Integration des Themas in die vernetzten Unterrichtskonzepte aller Abteilungen sind vorhanden. Da die Wasserstofftechnologie nicht
nur Fahrzeuge antreibt, sondern auch ganzheitliche Modelle der Energieversorgung bietet, ist es von großer Bedeutung Schüler
möglichst frühzeitig mit der Technologie vertraut zu machen. Die Wasserstofftechnologie soll in den verschiedenen Schularten in
Unterrichtseinheiten zu alternativen Mobilitätskonzepten und erneuerbaren Energien eingebunden und durch die Wasserstoffwerkstatt
veranschaulicht werden.
Die Schulgemeinschaft stärkt Bildung und Ausbildung:
Entsprechend dem Aktionsplan der Nationalen Wasserstoffstrategie und dort der Maßnahme 29 will die Schulgemeinschaft „Bildung
und Ausbildung stärken- national und international: Mit der Unterstützung und Weiterentwicklung der beruflichen und
wissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung im Bereich der Wasserstofftechnologie ebenen die involvierten Kolleginnen und Kollegen den Weg
für Arbeitende und Betriebe hin zu einer effizienten und sicheren Handhabung von Wasserstofftechnologien“. Die Schulgemeinschaft
will diese Zukunftstechnologie so denken und veranschaulichen, aber auch in ihrem Green Corner erlebbar machen, so dass diese auch in den
Lernkonzepten und Lernarrangements sinnvoll implementiert werden können.
Die Schule baut Zukunft:
Vor dem Showroom soll ein Glaspavillon als Lernfabrik Wasserstoff angeschlossen und eine Verbindung geschaffen werden zu der modernen
Wasserstoffwerkstatt, die im KFZ Bereich entstehen wird. Alle Gewerke sollen in der Abhängigkeit von CO2 neutralen Energieträgern
dargestellt werden. Dieser soll über diesen zu bauenden Showroom nicht nur dem Fachpersonal, sondern vor allem auch der
Bevölkerung des Rems-Murr-Kreises als Anschauungsraum dienen. Nur wer technische Neuerungen denken und in seinem Arbeiten sehen und im
theoretischen Diskurs verstehen kann, wird diesen auch offen begegnen. Mit diesem Ansatz will sich die Schulgemeinschaft auf der Grundlage
eines ausführlichen Medienentwicklungsplanes der Schule auf die Anforderungen der Zukunft einstellen.